Denkmal(pflege) – Privileg oder Zumutung?
Denkmäler sind Zeugen unserer Geschichte. Sie erzählen uns von vergangenen Zeiten, von früheren Besitzerinnen und Nutzern und den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umständen und Herausforderungen. Sie sind herausragende Beispiele unseres baukulturellen Erbes und werden von Generation zu Generation weitergegeben, manchmal privat, manchmal gesamtgesellschaftlich. Sie zu pflegen, zu entwickeln und in die Zukunft zu tragen ist zweifelsohne ein Privileg. Gleichzeitig kann sich der kostenintensive Unterhalt, strenge Auflagen bei Umbauten oder das langwierige Finden einer passenden Neunutzung zuweilen wie eine Zumutung anfühlen. Im Jahr 2026 widmet sich das Freitagsforum Denkmalpflege diesem Spannungsfeld aus verschiedenen Perspektiven: Von privaten und genossenschaftlichen Eigentümerschaften über Investorinnen und Immobilienbewertern bis hin zu denen, die Denkmäler beruflich pflegen.
Das Freitagsforum Denkmalpflege ist eine gemeinsame Veranstaltung der ETH Zürich und der Universität Bern in Kooperation mit ICOMOS Suisse, der Konferenz der Schweizer Denkmalpfleger*Innen, dem Arbeitskreis Denkmalpflege, der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst und dem ETH Material Hub.
Unterstützt durch das Bundesamt für Kultur.
Nächste Veranstaltung:
Datum: 17. April 2026, 16.15 Uhr–17.45 Uhr; anschliessend Apéro
Ort: BFH Burgdorf, Auditorium
Die Veranstaltung am 17. April 2026 umfasst drei Vorträge zum Thema Denkmalpflege und Baugenossenschaften mit anschliessender Diskussion. Prof. Dr. Boris Szélpal (BFH Burgdorf) referiert über Lebenszykluskosten als Entscheidungsgrundlage für die Immobilienentwicklung. Anschliessend widmen sich die beiden weiteren Vorträge dem Beispiel der Siedlung Pappelhöfe in Langenthal: Peter Ruckstuhl von der Wohnbaugesellschaft Langeten AG in Langenthal und der Architekt Rolf Mühlethaler berichten jeweils aus ihrer Perspektive über deren Nachverdichtung.
Lebenszykluskosten: Das Geld als Grundlage für bauliche Entscheidungen (Prof. Dr. Boris Szélpal)
Lebenszykluskosten (LCC) betrachten ein Bauwerk ganzheitlich – von der ersten Skizze über den Betrieb bis hin zum Rückbau. Diese fundierte Kalkulation dient als essenzielle Entscheidungsgrundlage, um die langfristige Rentabilität von Investitionen zu bewerten und Alternativen wie Sanierung oder Verdichtung präzise gegeneinander abzuwägen.
Pappelhöfe in Langenthal: Die Gemeinschaft als Aktiengesellschaft (Peter Ruckstuhl)
Mit den «Pappelhöfen» hat die Wohnbaugesellschaft Langeten AG ein visionäres Ensemble realisiert: 68 Mietwohnungen verbinden die historische Substanz von Hector Egger (1942–1949) harmonisch mit zeitgemässen Neubauten. Es entstand eine charmante Gartenstadt, die durch attraktive Höfe und Spielstrassen überzeugt und gleichzeitig das städtische Ziel einer qualitativen inneren Verdichtung meisterhaft umsetzt.
Preisgekrönte Architektur: Ein Gespür für gewachsene Orte (Rolf Mühlethaler)
Nach seinem markanten Entwurf für die Berufsschule prägt der renommierte Architekt Rolf Mühlethaler Langenthal nun mit den «Pappelhöfen». Mit sicherem Gespür für gewachsene Strukturen führt er das Gartenstadt-Quartier behutsam in die Moderne. Sein Werk besticht durch die kluge Symbiose aus Bestand und Erneuerung – ein architektonisches Bekenntnis zu zeitgemässer Wohnkultur und urbaner Kontinuität.
Eine Anmeldung ist erwünscht, aber nicht verpflichtend. Die Veranstaltung wird online via Teams übertragen.
