Signalfarbe und Megastruktur

Robin Rehm, «Signalfarbe und Megastruktur», in: Olaf Gisbertz, Mark Escherich, Sebastian Hoyer, Andreas Putz, Christiane Weber (Hg.) für das DFG-Netzwerk Bauforschung Jüngere Baubestände 1945+. Reallabor Nachkriegsmoderne. Zum Umgang mit jungen Denkmälern der Moderne. Berlin 2023 (im Druck).

Megastrukturen erfordern spezielle Betrachtungsweisen. Aus Distanz sind sie, wie hier erörtert, aufgrund ihrer Größe mit den Sinnen kaum zu erfassen. Eine Möglichkeit, solche Architekturen adäquat zu rezipieren, bietet die Reflexion über das, was sich dem Auge in der Gebäudestruktur an reellen Objekten mitteilt. Erfolgt eine Differenzierung mittels deutlich voneinander abweichender Farbtöne, sind diese nicht zu begreifen als dekorative Zutat, die das an und für sich Technisch-Unansehnliche quasi übertüncht. Vielmehr besitzen sie Signalcharakter, der dem jeweiligen Gegenstand eine dem Baukonzept adäquate Symbolsprache verleiht. Die Farbe steift mithin ihre traditionelle Bestimmung als Täuschendes ab und verdinglicht paradoxerweise nun den der Technik konzeptuell beigefügten Gehalt.