«Open as a matter of principle»

Publiziert in: En Blanco 13(31, 2021

Das Marburger Bausystem ist eines der frühesten, konsequentesten und international bekanntesten deutschen Bausysteme. Seine Entwicklung markiert den Beginn der Verdoppelung des deutschen Hochschulbaubestandes in nur 20 Jahren. Die Baustelle auf den Marburger Lahnbergen war in den 1960er und 1970er Jahren das wohl meistgenutzte Beispiel für die Hochschulplanung. Inzwischen werden die Qualitäten der Gebäude nur noch selten gewürdigt, die systemimmanente Möglichkeit zum Umbau, zur Anpassung an neue Nutzeranforderungen oder zu Erweiterungen wird nicht genutzt. Die architektonische Qualität der auf dem Campus Lahnberge in Marburg errichteten Gebäude, ihre Konsequenz bis ins Detail, die technische Innovation der seriellen Fertigung von Bauelementen in einer Feldfabrik vor Ort und der durchgängige Planungsprozess zur Standardisierung aller Bauteile ist in der Tat bemerkenswert. Das zugrundeliegende Prinzip der Offenheit birgt ein erhebliches Potenzial, die Lebensdauer der Gebäude zu verlängern, wenn zunächst die vorhandenen Mängel behoben werden. Die Vorteile der Gebäude, ihres Grundsystems und des zugrundeliegenden Konzepts mögen nicht offensichtlich sein, bei näherer Betrachtung sind sie jedoch unbestreitbar. Sie könnten und sollten genutzt werden.

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