FORMEN UND PROZESSE
Gerüstlose Brückenbauprozesse in der Schweiz seit den 1960er Jahren

Vertiefungsarbeit HS25
Studentin: Arianna Lurati
Betreuung: Tiago Matthes

Im Schweizer Brückenbau setzte ab Ende der 1960er Jahre ein tiefgreifender Wandel ein. Bauprozesse ohne klassische Lehrgerüste gewannen an Bedeutung und führten zur Entwicklung neuartiger Bauprozesse.

Ingenieure, Planungsbehörden und Bauunternehmen konzentrierten sich verstärkt auf Methoden wie den Freivorbau, das Taktschiebeverfahren und die Fertigteilbauweise. Diese Verfahren kamen vor allem beim Bau grosser Brücken im Rahmen des schweizerischen Nationalstrassenprogramms zum Einsatz und standen exemplarisch für die Rationalisierung im Infrastrukturbau. Sie verbanden unterschiedliche baulogistische Abläufe mit spezifischen konstruktiven Prinzipien, die je nach Verfahren besondere Vorteile in Effizienz, Anpassungsfähigkeit und Ausführungsqualität boten.

Im Zentrum der Analyse standen ausgewählte Fallstudien wie die Ganterbrücke am Simplonpass, entworfen vom Ingenieur Christian Menn. Die Beispiele verdeutlichten das Spannungsfeld zwischen technischer Konstruktion, landschaftlicher Einbindung sowie ökonomischen und gesellschaftlichen Anforderungen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den konstruktiven Abläufen vor Ort, der Sequenzierung der Bauprozesse sowie dem präzisen Zusammenspiel von Planung und Ausführung.

Methodisch stützte sich die Arbeit auf umfangreiche Archivmaterialien, insbesondere aus dem Züblin-Archiv am Institut für Denkmalpflege und historische Bauforschung (IDB) der ETH Zürich, sowie auf wissenschaftliche Fachliteratur. Die Arbeit beleuchtet die Brückenbauten als Schnittstelle von Architektur, Ingenieurwesen und Infrastrukturpolitik – mit besonderem Augenmerk auf deren wechselseitige Einflüsse.