Unter dem Thema «Wertvolle Wohnräume – Entwerfen am Baudenkmal» liegt der Fokus des Entwurfsstudios auf dem architektonischen Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden. Nachdem wir uns in den letzten beiden Semestern mit der Zukunft und Umnutzung von Klosteranlagen unterschiedlicher Epochen – dem Barockkloster Einsiedeln und dem Kloster Ilanz aus den 1960er Jahren – beschäftigt haben, richten wir den Fokus für die kommenden beiden Semester auf das Wohnen in wertvollen Räumen.
Im HS 26 zieht es uns nach Venedig. Heute leben dort nur noch rund 50’000 Personen und jährlich verliert die Stadt etwa tausend weitere Einwohner. Gleichzeitig wird das alltägliche Leben durch bis zu 30 Millionen Touristen pro Jahr zunehmend verdrängt: Steigende Mieten machen Wohnraum unerschwinglich, Geschäfte des täglichen Bedarfs weichen touristischen Angeboten.
Im Zentrum des Semesters steht die denkmalgeschützte Casa Cardinal Piazza im Cannaregio. Das historische Ensemble umfasst zwei Palazzi des 16. Jahrhunderts, Anbauten, einen prächtigen Garten sowie historische Werkstatt- und Lagerhallen an der Lagune. Heute beherbergt es ein Gästehaus, ein Altenheim und die Wohnräume der Ordensschwestern, welche es betreiben. Der Komplex gilt als bedeutendes Zeugnis der historischen Wohn- und Baukultur venezianischer Residenzen. Im Rahmen des Semesters soll das Ensemble stärker für die lokale Bevölkerung geöffnet und um zusätzlichen Wohnraum ergänzt werden, der sich sensibel in den Bestand integriert und dessen Charakter bewahrt. Dazu untersuchen wir unterschiedliche venezianische Wohnbautypologien und entwickeln sie unter sorgfältiger Berücksichtigung des Bestands weiter.
Übergeordnete Lernziele des Entwurfsstudios sind, die Bedeutung von Forschung und sorgfältiger Beobachtung für die Bewertung des Bestandes zu erkennen und darin verborgenes Potenzial als Grundlage einer architektonischen Intervention freizulegen. Am Objekt untersuchen wir Details, Konstruktionen, Bauphasen und Handwerkstechniken und wenden denkmalpflegerische Prinzipien an, die wir zugleich kritisch hinterfragen und weiterentwickeln. Aus den gewonnenen Erkenntnissen entstehen bauliche Narrative, die bestehende Grenzen erweitern und die räumlichen, historischen und gesellschaftlichen Qualitäten des Ortes respektieren. Resultat sind präzise architektonische Entwürfe in unterschiedlichen Massstäben bis hin zum konstruktiven Detail, die in einen respektvollen Dialog mit dem Bestand treten und eigenständige zeitgenössische Qualitäten entwickeln.

Bischof Föhn Architektur
Stephan Bischof und Norbert Föhn leiten ab dem Herbstsemester 2025 gemeinsam mit Silke Langenberg das Entwurfsstudio im denkmalgeschützten Kontext am Institut für Denkmalpflege und historische Bauforschung der ETH Zürich.
Seit ihrer Bürogründung 2012 widmen sich Bischof Föhn öffentlichen Bauten und dem Wohnungsbau mit besonderem Schwerpunkt auf Bauen im Bestand. Umbauten, Erweiterungen und Instandsetzungen denkmalgeschützter Gebäude bilden den Kern ihrer Arbeit, verbunden mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Zentrale Themen in ihrer Arbeit sind das Abwägen zwischen Substanzerhalt, Ergänzung und Erneuerung sowie Strategien wie Reparatur und Re-Use.
In den vergangenen Jahren konnten sie mehrere Wettbewerbe im Bestand gewinnen. Zu den realisierten Projekten zählen die Gesamterneuerung des Schulhauses Nordstrasse, das Re-Use-Pionierprojekt Kindergarten Mööslistrasse in Zürich sowie die Instandsetzung des Ortsmuseums Höngg. Aktuell arbeiten sie u.a. an der Instandsetzung und Erweiterung des Seepolizei-Stützpunkts Oberrieden und den Instandsetzungen und Erweiterungen der Schulanlagen Steinacker in Winterthur und Kappelerhof in Baden.
Beide studierten Architektur an der ETH Zürich. Stephan Bischof sammelte vor der Bürogründung Erfahrung in renommierten Büros in Basel und Zürich. Norbert Föhn arbeitete als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Denkmalpflege der ETH, wo er zu Bestandserhaltung, Konstruktionstechniken und nachhaltiger Erneuerung forschte. Zudem war er Vorstandsmitglied des FEB, der SIA-Fachgruppe zur Erhaltung von Bauwerken. Neben ihrer Projektarbeit sind beide in Architekturjurys und Vorträgen aktiv – Ausdruck ihres Engagements für die Weiterentwicklung des Bauens im Bestand.

Begleitung
Begleitet wird das Semester von der Professur für Landschaftsarchitektur von Martina Voser, wodurch die Untersuchungen mit einer vertieften landschaftsräumlichen Perspektive ergänzt werden – mit Fokus auf den Umgang mit dem in Venedig allgegenwärtigen Element Wasser sowie den vielschichtigen Übergängen zwischen Innen und Aussen.
Team
Teaching Team: Prof. Dr. Silke Langenberg, Stephan Bischof, Norbert Föhn, Elischa Bischof, Matthias Brücke, Sarah Gemoll, Diego Zhangi
Prof. Martina Voser, Martin Zwahlen
Arbeitsweise
Analyse in Vierer- und Projekt in Zweiergruppen
Exkursion nach Venedig: 27.- 30. September 2026
Integriertes Wahlfach mit 2 ECTS
Kosten
Semester und Exkursion inkl. Übernachtungen 200.-
(zuzüglich Zugfahrt 150.- oder individuelle An-/Abreise)