Wertvolle Räume – Entwerfen am Baudenkmal

Das Kloster (lat. claustrum = verschlossener Ort) bezeichnet eine von Mauern umfasste Anlage mit Kreuzgang und Kirche im Zentrum. Um diesen geistlichen Kern gruppieren sich Bereiche für das klösterliche Zusammenleben, für wirtschaftliche Versorgung, Bildung und karitative Aufgaben. Das Leben innerhalb der Mauern folgt – damals wie heute – der Benediktinerregel: gemeinschaftlich, nach innen gekehrt, getragen von Güterteilung und Selbstversorgung.

Das Kloster Einsiedeln zählt zu den bedeutendsten sakralen Orten der Schweiz. Seit über tausend Jahren prägt es die religiöse, kulturelle und bauliche Identität des Ortes. Doch Kirchen und Klöster leeren sich zunehmend und stehen vor grundlegenden Fragen: Wie kann ein spiritueller Ort in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft relevant bleiben? Welche neuen Räume, Funktionen und Formen braucht das Kloster, um auch künftig bestehen zu können – für die Mönche, die Pilgernden, die Besuchenden, das Dorf und die Gesellschaft? Und wie lassen sich die Benediktinerregeln mit den Herausforderungen unserer Zeit verbinden?

Wir analysieren die Klosteranlage vor Ort entlang ihrer inneren und äusseren Grenzen sowie der Übergänge zwischen ihnen, um die Koexistenz von klösterlicher Gemeinschaft, profaner Innenwelt und säkularisierter Aussenwelt sichtbar zu machen. Der Fokus liegt dabei weniger auf der barocken Klosterkirche, sondern vielmehr auf der Klausur der Mönche – einem Bereich, der zunehmend weniger Raum beansprucht – sowie auf den angrenzenden Bereichen wie Pilgerunterkunft, Stiftsschule, Gärtnerei, Handwerksbetriebe und Pferdestallungen, die jeweils eigene bauliche Qualitäten und Entwicklungspotenziale aufweisen.

Wir lernen am Objekt, indem wir Details, Konstruktionen, Fügungen, Bauphasen und Handwerkstechniken untersuchen und dabei denkmalpflegerische Prinzipien anwenden, hinterfragen und weiterentwickeln. Aus diesen Erkenntnissen entwickeln wir bauliche Narrative, die bestehende Grenzen erweitern und zugleich die räumlichen, historischen und gesellschaftlichen Qualitäten des Ortes respektieren. Ziel ist ein präziser architektonischer Entwurf in unterschiedlichen Massstäben, bis zum konstruktiven Detail, die in einen respektvollen Dialog mit dem wertvollen Bestand treten und zugleich eigenständige, zeitgenössische Qualitäten hervorbringt. Die Entwürfe werden im Verlauf des Semesters anhand von Modellen, Axonometrien und Plänen weiterentwickelt und verfeinert. Die Arbeit vor Ort und das Lernen am Objekt sind wichtige Komponenten unserer Herangehensweise.

Wir starten das Semester mit einer zweitägigen Exkursion ins Kloster Einsiedeln, begleitet von verschiedenen Gästen.

Team:

Prof. Dr. Silke Langenberg
Gastdozenten Stephan Bischof und Norbert FöhnElischa Bischof, Matthias Brücke, Sarah Gemoll und Reto Wasser