Teaching Team: Silke Langenberg, Stephan Bischof, Norbert Föhn, Elischa Bischof, Matthias Brücke, Sarah Gemoll, Fabian Kastner
Arbeitsweise: Analyse und Projekt in Zweierarbeit
Einführung am 17. Februar im HIL
Exkursion ins Kloster Ilanz 24.-25. Februar 2026
Kosten Exkursion: CHF 100
optionale Seminarwoche: Workshop mit Filmemacher Adrian Dorschner im Kloster Ilanz
Das Dominikanerinnenkloster Ilanz wurde 1865 gegründet und prägte über Jahrzehnte das religiöse, soziale und wirtschaftliche Leben der Surselva. Bildung, Spitalbetrieb, Landwirtschaft und Fürsorge machten das Kloster zu einem wichtigen Akteur im Tal. Ende der 1960er-Jahre, in einer von Wirtschaftsboom und Fortschrittsgläubigkeit geprägten Zeit, liessen sich die Ilanzer Dominikanerinnen ein neues Mutterhaus bauen. Die optimistische Stimmung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil findet in dem Bau seine Entsprechung: 1969/70 entstand am Hang über Ilanz nach Plänen von Walter Moser ein kraftvoll modernistisches Kloster, das von der Einfachheit und Klarheit seines Ausdrucks geprägt ist.
Gut fünfzig Jahre später steht das Kloster an einem Wendepunkt. Von den ursprünglich über 200 Nonnen leben heute noch rund 60 im Kloster. Die Schwesternschaft nimmt diese Entwicklung zum Anlass, mit dem geplanten Verkauf des Klosters einen Prozess anzustossen, welcher die Weiternutzung des Baus reflektiert und erfinderisch gestaltet. Der Fortbestand erfordert neue Strategien, Programme und räumliche Interventionen. Die Bausubstanz soll als architektonische und strukturelle Ressource für Projekte verstanden werden, die neue Konzepte des gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens erforschen und Nutzungen ermöglichen, welche klösterliche Ideale wie Gemeinschaft, Kontemplation, Bildung, Fürsorge und Verantwortung kreativ weiterdenken und weiterentwickeln.
Im Zentrum des Semesters steht damit die Frage nach der Zukunft eines vergleichsweise jungen Baudenkmals. Die Konzeption seiner Architektur ist aus der Zeit ihrer Entstehung zu verstehen und muss auf ihre heutige und zukünftige Relevanz geprüft werden. Wie lässt sich mit der Substanz umgehen, ohne ihre architektonische und ideelle Klarheit zu verlieren?
Wir betrachten das Kloster Ilanz als räumliches Gefüge im Transformationsprozess. Dabei rücken nicht nur Struktur, Konstruktion, Fügungen und Materialität des Baus in den Blick, sondern auch seine Programmatik, innere Organisation und die Beziehung zur Landschaft. Am Objekt lernen wir, denkmalpflegerische Prinzipien anzuwenden, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Aus diesen Beobachtungen entstehen bauliche Narrative, welche die räumlichen, historischen und gesellschaftlichen Qualitäten des Ortes respektieren. Ziel ist ein architektonischer Entwurf in verschiedenen Massstäben, vom städtebaulichen Zusammenhang bis zum konstruktiven Detail, der in einen Dialog mit dem Bestand tritt und gleichzeitig eigenständige Qualitäten formuliert. Die Entwürfe werden im Verlauf des Semesters anhand von Modellen, Axonometrien und Plänen kontinuierlich weiterbearbeitet und verfeinert. Anfangs Semester verbringen wir gemeinsam zwei Tage im Kloster Ilanz.